Du bist niemals alleine!

Anreiseinformationen zum Spiel beim Karlsruher SC

Liebe Clubfans,

heute wenden wir uns mit einem auf den ersten Blick womöglich seltsam anmutenden Aufruf an euch, der beim zweiten Blick über den eigenen Tellerrand hinaus jedoch seine Berechtigung erhält. Erst an diesem Mittwoch mussten Teile der Anhängerschaft, Fanprojekt- sowie Vereinsmitarbeiter der SG Dynamo Dresden die Erfahrung machen, dass die Polizei in Baden-Württemberg eine ganz besondere Form der Willkommenskultur pflegt und Schikanen bis an die äußersten Grenzen der Rechtsstaatlichkeit (und womöglich darüber hinaus) zu ihrem Arbeitsrepertoire zählt (siehe dazu unseren verlinkten Facebook-Beitrag von Donnerstagnachmittag). Da wir uns am kommenden Sonntag mit eben genau dieser Polizei wortwörtlich konfrontiert sehen, wollen wir euch einige Anreisetipps geben sowie um eure Mithilfe bei der Information an alle Clubfans bitten.

Hauptstrategie der Polizei zur Behinderung der reibungslosen Anreise von Gästeanhängern am Mittwoch war es, Gästefans an Autobahnraststätten sowie speziell eingerichteten Zonen über Stunden in polizeiliche Maßnahmen zu verwickeln. Dazu wurden Autos und Busse mit Gästefans auf der Autobahn von der Polizei abgefangen und zu den eingerichteten Zonen geleitet. Ausgehend davon, dass die Polizei auch am Sonntag eine ähnliche Strategie fahren wird, empfehlen wir euch folgendes:

  1. Reist frühzeitig an!

  2. Nutzt nicht die direkten Anreisewege und auf keinen Fall die von der Polizei empfohlene Route! Es ist wahrscheinlich, dass auf dieser Strecke am ehesten Fans abgefangen werden. Also frühzeitig von den Autobahnen abfahren und Landstraßen oder ggf. für die letzten Kilometer gar den ÖPNV nutzen. Gebt bei allen Anreisewegen keine Anlässe für eine Personalienkontrolle!

  3. Informiert andere Clubfans, wenn euch auf den Anreisewegen, insbesondere auf den Raststätten rund um Karlsruhe, größere Ansammlungen der Polizei oder gar Kontrollen von Clubfans auffallen. Nutzt dazu die bekannten Foren sowie die Hashtags #KSCFCM und #AnreiseKSC ! Ebenso solltet ihr unter den Kürzeln Anreisestrecken ohne Polizeikontrollen melden.

  4. Bei Problemen könnt ihr euch an unsere Notfallnummer (015219349273) wenden. Hier erhaltet ihr erste Tipps zum weiteren Verhalten und wir können eure Infos zusätzlich streuen.


Trotz dieser Umstände wünschen wir allen hoffentlich mehr als 2.000 anreisenden Clubfans ein spannendes und erfolgreiches Spiel in Karlsruhe.

Fanhilfe Magdeburg e.V. am 27.10.2017

Fanhilfe Magdeburg lässt Rechtswidrigkeit von Tweets der Polizei Duisburg prüfen

Das Auswärtsspiel des 1. FC Magdeburg beim MSV Duisburg liegt bereits einige Monate zurück. Dennoch sind die Anwälte und aktiven Mitglieder der Fanhilfe immer noch mit der Aufarbeitung der Abläufe am Einlass beschäftigt. Zur Erinnerung: Die Polizei Duisburg verwehrte einigen Gästefans den Zuritt zum Stadion, weil sie Regenponchos trugen, die jedoch an diesem Tage wesentlicher Bestandteil einer Choreografie waren. Entgegen der Tatsache, dass seitens der Magdeburger keinerlei Aggressionen ausgingen, verbreitete die Polizei Duisburg über ihren Account beim Kurznachrichtendienst Twitter, dass die Regenjacken angezogen wurden, um polizeiliche Maßnahmen, wie etwa Durchsuchungen, zu behindern. Die Fanhilfe Magdeburg hat sich diesbezüglich mit dem Hannoveraner Rechtsanwalt Dr. Andreas Hüttl von der „AG Fananwälte“ zusammengetan, um die Rechtswidrigkeit dieses Tweets feststellen zu lassen. Hierfür wurde eine Dienstaufsichtsbeschwerde erhoben und für Betroffene Schadensersatz gefordert. Die Fanhilfe Magdeburg und Fananwalt Dr. Hüttl erwarten einen aus ihrer Sicht positiven Ausgang der Beschwerde. Es wäre an diesem beispielhaften Fall sehr wichtig zu erörtern, wie weit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Polizei generell gehen kann. Unabhängige Beschwerde- und Reglementierungsstellen für die Arbeit der Polizei wären ein wichtiges staatliches Mittel, um die Arbeit der staatlichen Gewaltmonopols auf Rechtsstaatlichkeit zu prüfen und endlich (nicht nur) die Rechte von Fans wieder zu stärken.

Fanhilfe Magdeburg e.V. am 26.08.2017

Auswertung zum Spiel 1. FC Magdeburg – FC Rot-Weiß Erfurt

Vorspiel

In der Woche vor dem Spiel veröffentliche die Landesregierung ihre Antwort auf eine kleine Anfrage der Fraktion der LINKEN „Polizeilichen Maßnahmen im Zusammenhang mit Dritt-Liga Spielen“, auf Initiative der Fanhilfe Magdeburg. Eine durchaus interessante Anfrage, da Hintergrundinformationen abseits der offensichtlichen Maßnahmen, die uns Fans des 1. FC Magdeburg betreffen, oft verborgen bleiben. Die Fanhilfe Magdeburg bemühte sich in Abstimmung mit einem ihrer Anwälte um eine Einordnung. Mitten hinein in dieses Vorhaben stieß ein Kommentar des Volksstimme Chefredakteurs Alois Kösters. Dieser erklärte, dass im „Schattenreich zwischen nackter Gewalt und noch tolerierbarer Fankultur“ eine klare und harte Linie der Vereine fehle und dass Fanbeauftragte nur der „primitiven Kultur der Fußballfeindschaft“ angehörten. Des Weiteren gab er zum Besten, dass es keine Stadionverbote bei bloßer Vermutung geben würde, was, für jeden der die Arbeit der Fanhilfe verfolgt, schlicht nicht stimmt, sondern gängige Praxis ist. Als Rechtshilfekollektiv verstehen wir uns in der Verantwortung eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen und können den Kommentar daher nicht ignorieren. Es sind die gleichen Argumente die in das Feld geführt werden, wenn härtere Strafen, mehr Kontrolle und größere Datensammelwut unser Fußballerlebnis eintrüben. In der letzten Saison wurden gegen 0,02 % der Stadionbesucher bei Heimspielen des 1. FC Magdeburg Verfahren eingeleitet. Das steht nach dem Dafürhalten der Fanhilfe Magdeburg in keinem Verhältnis zum Bild das Herr Köster und allzu gerne die Polizei und ihre Gewerkschaft selbst zeichnen. Leider wurde ein daran anschließender Leserbrief unseres Rechtsanwalts nicht in der Volksstimme gedruckt, in der Ausgabe vom 3. August 2017 erschien jedoch ein zustimmender Leserbrief. „Unser“ Leserbrief wurde mittlerweile auf den Kanälen der Fanhilfe veröffentlicht.

Wasserwerfer und weiträumige Sperrungen:

Am Spieltag kam es, gemessen am Gast aus Erfurt, zu einem ungewöhnlich martialischen Stelldichein der Polizei. Zur Erinnerung: Beim letzten Aufeinandertreffen gab es eine Kranzübergabe und in den Jahren davor keine nennenswerten Vorfälle. Drei Wasserwerfer sorgten nicht nur nach dem Spiel für ein gehöriges Verkehrschaos, sie provozierten während des Spiels hinter der Nordtribüne ebenfalls mit laufendem Motor und mit der Frontscheibe zum Block stehend. Eine Spontan-Umfrage bei Fans ergab, dass sich durch die Anwesenheit des Aufstandsbekämpfungsmittels keine Person wirklich sicherer fühlte. Das Gegenteil war der Fall.
Die Fanhilfe Magdeburg versteht die Intention dieses Einsatzentwurfs als reine Machtpräsentation. Das Auffahren von sogenannter „schwerer Technik“ soll den Status Quo einer weitergehenden Militarisierung der Sicherheitsapparate normalisieren.
Des Weiteren ist nicht nachvollziehbar, dass die Tagesblätter der Bundesrepublik sich aktuell mit Mitleid für Polizeibeamte, die ihren normalen Job in Hamburg beim G20 gemacht haben (wir kommentieren an dieser Stelle nicht wie), überschlagen und gleichzeitig für diesen Rahmen eine solche polizeiliche Maßnahme gerechtfertigt sein soll.



Geschlossene Tageskassen:

Ausdrücklich abzulehnen ist die Praxis der geschlossenen Tageskassen! Weder haben solche Maßnahmen einen sicherheitsrelevanten Effekt, noch tragen sie zu einer gastfreundlichen Kultur bei. Auf Nachfrage bei den Verantwortlichen des 1. FC Magdeburg erhielten wir die Antwort, dass dieses Verfahren mit dem FC Rot-Weiß Erfurt abgestimmt war. Spontan Anreisende hätten an Karten kommen können, da dies über den Fanbeauftragten möglich gewesen sein soll. Wie praxisnah diese Vorstellung ist, können wir im Nachhinein nicht sagen. Fakt ist: Die Mischung aus geschlossener Tageskasse und dem nicht vorweisen können einer gültigen Zugangsberechtigung kann bei polizeilichen Kontrollen schnell zu Problemen führen. Des Weiteren behalten wir uns vor, auf eine strikte Regelung des Zugangsbetriebs, die es allen Auswärtsfans möglich macht am Spieltag eine Karte zu erwerben, zu beharren.

Sektorentrennung:

Dauerthema, aber nicht vergessen. Laut Protokoll wurde 3 Minuten nach Spielende die Sektorentrennung aufgehoben. Das entspricht nicht unserer Beobachtung. Wir betrachten die Sektorentrennung weiterhin als schwere Beeinträchtigung das Stadionerlebnis. Der Faktor Sicherheit rechtfertigt keine Logik der Selektion im Stadioninnenraum.

Rechtshilfe ist keine Einbahnstraße:

Die Fanhilfe Magdeburg hat sich entschlossen, in regelmäßigen Abständen Einschätzungen und Meinungen zum Umgang mit Auswärtsfans in Magdeburg einzuholen.

Update:

Mittlerweile hat uns eine Einschätzung der Erfurter Fanszene erreicht, welche wir an dieser Stelle der Vollständigkeit halber nicht unerwähnt lassen möchten. In Bezug auf die Gästekasse teilten die Erfurter mit, dass ihnen diese Maßnahme nicht unbekannt und wohl auf die eigene Fanbetreuung zurückzuführen ist. Die Thüringer monieren jedoch, dass die Möglichkeit zum Kartenerwerb am Spieltag bei der RWE-Fanbetreuung zu kurzfristig kommuniziert worden sei und sich potentielle Kurzentschlossene somit eben nicht mehr auf den Weg nach Magdeburg machten. Zufrieden waren die Rot-Weißen mit dem Ordnungsdienst, welcher durch den RWE gestellt wurde und in der Fanszene akzeptiert ist. Neben der Teilung unserer Kritik am massiven Polizeiaufgebot und nicht näher beschriebener Schikanen von Polizeibeamten gegen Einzelpersonen während des Fußmarsches zum Stadion, wurden die im Ligaschnitt sehr hohen Preise für die gastronomische Versorgung im Heinz-Krügel-Stadion kritisiert.

Link zur Anfrage im Landtag Sachsen-Anhalt

Fanhilfe Magdeburg e.V. am 14.08.2017

Parlamentarische Anfragen legen Schwachstellen beim Polizeieinsatz während des Spiels des 1. FC Magdeburg gegen die SG Dynamo Dresden offen

Gemeinsame Presseerklärung der Fanhilfe Magdeburg und der Schwarz-Gelben-Hilfe:

Im Nachgang der Drittliga-Partie des 1. FC Magdeburg gegen die SG Dynamo Dresden am 16. April 2016 (Auswertung aus Sicht der Schwarz-Gelben Hilfe: www.schwarz-gelbe-hilfe.de/aufarbeitung-der-ereignisse-vom-16-april-aus-der-sicht-der-schwarz-gelben-hilfe) stellte sowohl die Fanhilfe Magdeburg zusammen mit der Abgeordneten Eva von Anger, als auch die Schwarz-Gelbe Hilfe Dresden mit Valentin Lippmann zwei Kleine Anfragen in den Landtagen von Sachsen-Anhalt und Sachsen.

Sechswöchige Vorbereitung mit chaotischem Endergebnis

Aus der Anfrage im sachsen-anhaltinischen Landtag geht hervor, dass bereits sechs Wochen vor dem Spiel mit den Einsatzplanungen begonnen wurde. Bei diesen wurde ein besonderer Schwerpunkt auf die Trennung der über 1.000 erwarteten Fans aus Dresden von den Magdeburger Fans gelegt. Die Einsatzführung formulierte außerdem eine Leitlinie für den Einsatz, die ein besonders hohes Maß an Transparenz und Gelassenheit aller eingesetzten Kräfte in allen Einsatzphasen vorsah, welches durch Kooperations- und Gesprächsbereitschaft besonders deeskalierend auf die Besucher des Spiel wirken sollte. Entgegen der Meldungen in der Presse (DPA-Meldung vom 16.04.2016 und Artikel in der Volksstimme Magdeburg vom 19.04.2016) wurden nicht nur knapp 1.000 Beamte eingesetzt, sondern, wie eine Kleine Anfrage offenlegte, genau 1.365 Einsatzkräfte aus mehreren Bundesländern. Hier machte die Polizei im April 2016 bewusst oder unbewusst keine genauen Angaben. Auffällig ist auch die große Zahl der eingesetzten Polizisten in zivil. Mit 90 zivilen Kräften, von denen eine geringe Anzahl Szenekundige Beamte (SKB) der beiden Fanszenen waren, ein Fußballspiel abzusichern, lässt bei den Ereignissen rund um dieses Spiel einen großen Spielraum an Spekulationen, welche Rolle 79 Zivilbeamte der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord eingenommen haben. Der chaotische Ausgang des Einsatzes ist hinlänglich bekannt. Angesichts der dargelegten Fakten muss die damalige Einsatzführung und Polizeitaktik stark kritisiert werden.


Weniger als 0,3 % aller Zuschauer waren tatsächlich gewalttätig

Wie die Kleinen Anfragen darlegen, führt die Staatsanwaltschaft Magdeburg aktuell 51 (26 Verfahren gegen 1. FCM-Fans, 25 Verfahren gegen SGD-Fans) Ermittlungsverfahren, die durch Anzeigen im Rahmen des Spiel angefallen sind. Sechs weitere Ermittlungen wurden mittlerweile sogar eingestellt. Angesichts dieser Zahlen sind die Stellungnahmen des Heimvereins sowie die reißerischen Presseberichte zu hinterfragen. Ein Verfahren gegen einen Polizeibeamten wegen Körperverletzung im Amt, welches aus einer Dienstaufsichtsbeschwerde des Fanprojekt Dresdens (www.fanprojekt-dresden.de/fanprojekt-reicht-dienstaufsichtbeschwerde-beim-innenministerium-sachsen-anhalt-ein) resultierte, wurde ohne Ergebnis eingestellt.

Enorm hohe Anzahl von Stadionverboten gegen Dresdner Fans steht in keinem Verhältnis zu den laufenden Ermittlungen

Die Zahlen der Ermittlungsverfahren aus der Anfrage weist im Vergleich mit der Anzahl der wegen diesem Spiel ausgesprochenen Stadionverbote gegen Anhänger der SG Dynamo Dresden eine enorm hohe Differenz auf. Im Sommer 2016 wurden 67 Dresdner Fans ein bundesweites Stadionverbot ausgesprochen, da deren Personalien am Spieltag aufgenommen, sowie Ermittlungsverfahren gegen sie eingeleitet wurden. Da aber die Polizei scheinbar schon im Vorfeld der Ermittlungen von der Schuld aller Fußballfans überzeugt war, reichte man die Daten der Betroffenen zeitgleich an den 1. FC Magdeburg weiter, sodass dieser gegen die genannten Personen Stadionverbote aussprach. Eine Vergabe von bundesweiten Stadionverboten ohne rechtsstaatliches Ermittlungsergebnis verurteilen wir. Hier bedarf es aus unserer Sicht eine Überarbeitung der DFB-Regularien, um den Rechtsgrundsatz der Unschuldsvermutung zu wahren. Erst im Januar 2017 konnten diese Stadionverbote auf den eigenen Verein, die SG Dynamo Dresden, übertragen werden. Dort erhielten die Betroffenen eine Chance auf Anhörung bei der Stadionverbotskommission (SVAK), welche über den Fortbestand oder die Aufhebung der Stadionverbote entschied.

Abschließend lässt sich bewerten, dass der Polizeieinsatz während des Spiels am 16. April 2016 samt den im Anschluss eröffneten Ermittlungsverfahren unter Einbezug der Fakten aus den Kleinen Anfragen ein ganz anderes Bild abgibt, als es bisher in der Öffentlichkeit bekannt ist. Besonders dominant ist die große Zahl von zivilen Einsatzkräften in einem Spiel, bei welchem im Vorfeld Transparenz und Deeskalation höchste Priorität eingeräumt wurde. Zudem zeigt die Zahl der Ermittlungsverfahren und die vergleichsweise große Anzahl an Stadionverboten erhebliche Missstände in den polizeilichen Ermittlungen auf.

Link zur Anfrage im Landtag Sachsen-Anhalt
Link zur Anfrage im Landtag Sachsen

Fanhilfe Magdeburg e.V. und Schwarz-Gelbe-Hilfe e.V. am 19.05.2017

Topspiel der 3. Liga wirft dunkle Schatten voraus

Das absolute Spitzenspiel der bisherigen Drittligasaison zwischen dem Tabellenführer MSV Duisburg und dem direkten Verfolger 1. FC Magdeburg wirft bereits seit Tagen seine Schatten voraus. Leider sind diese Schatten nicht so positiv besetzt wie es ein sportliches Topduell verdienen würde. Vielmehr macht sich bereits im Vorfeld eine Debatte bemerkbar, die mit fragwürdigen Maßnahmen vor allem Handlungsfähigkeit der Sicherheitsorgane suggerieren soll und dabei paradoxer Weise eine eigentlich kaum zur Diskussion stehende Sicherheit torpediert. Die Fanhilfe Magdeburg kommentiert diese Maßnahmen daher wie folgt:

Am 17. Februar 2017 gab der MSV Duisburg in einer Pressemitteilung den Verzicht auf den Verkauf von Tageskarten für das Spiel gegen den 1. FC Magdeburg bekannt. Die Begründung dafür sind vermeintliche „Hooligans auch aus anderen Vereinen“ die zum Karneval wollen. Weiter heißt es, dass der MSV Duisburg „gewappnet für den Freitag sei“ und mit nicht weiter zu benennenden „umfangreichen Maßnahmen“ glaubt ein friedliches Fußballspiel gewährleisten zu können.

Das Vorgehen des MSV Duisburg und die Beratungskompetenzen der Sicherheitsbehörden stellen wir in diesem Fall grundsätzlich in Frage. Im Kern geht es nicht um die tatsächliche Anwesenheit sogenannter Hooligans, sondern darum im Vorfeld sämtliche Maßnahmen gegen Auswärtsfans zu legitimieren. Mutmaßungen und öffentlichkeitswirksame Schnellschüsse wie dem Schließen von Tageskassen dienen im Fall einer späteren von den Sicherheitsbehörden ausgelösten Eskalation als Begründungsmuster.

Im Fall des Aufeinandertreffens des MSV Duisburg und dem 1. FC Magdeburg herrscht eine sportliche Rivalität aufgrund der Tabellensituation beider Vereine. Eine besondere Rivalität beider Fanlager ist nicht gegeben. Daher ist zu fragen, mit welchem Verständnis von rheinländischer Gastfreundschaft zu rechnen ist. Die Erfahrungen mit „umfangreichen Maßnahmen“ zeigen, dass diese oft in entgegengesetzt Richtung wirken. Die Anhänger mit dieser Botschaft auf die Reise zu schicken, ist insofern eine erste Eskalationsstufe.

Des Weiteren ist fraglich, in welchem Zusammenhang der rheinländische Karneval mit dem Fußballspiel steht. Nach unserer Einschätzung gibt es keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen, die ein gesteigertes Gefahrenpotenzial annehmen lassen. Reisefreudige Karnevalenthusiasten werden sich durch geschlossene Tageskarten ihren Besuch nicht nehmen lassen. Die Legitimation von Repressionsmaßnahmen gegen Fußballfans, nichts anderes sind geschlossene Tageskassen, durch die Verbindung beliebiger raumnaher Veranstaltungen, eröffnen Sicherheitsbehörden willkürlich Repressionsmöglichkeiten. Diskursverschiebungen dieser Art, die weg vom eigentlichen Fußballspiel und die daraus resultierenden Maßnahmen gehen, sollten eigentlich auch die betroffenen Fußballvereine aus ihrem eigenen Interesse kritisieren. Unter diesen Maßnahmen leiden schlussendlich alle Fans und damit auch die Vereine. In diesem konkreten Fall der MSV Duisburg und seine Fans, ebenso wie die 1. FCM-Anhänger.

Fraglich bleibt außerdem, ob die angekündigten Maßnahmen tatsächlich die versprochene Entspannung in den Zuschauerbereichen des Duisburger Stadions bringen? Es scheint schwer vorstellbar, dass Fußballfans, auch anderer Vereine, zwar langfristig die von der Polizei befürchteten Störungen planen können, aber nicht über den Organisationsgrad verfügen, um bis zum Ende des Vorverkaufs entsprechende Eintrittskarten zu erwerben. Stattdessen führt die Maßnahme von geschlossenen Tageskassen dazu, dass insbesondere Fußballfans, die nicht über den notwendigen Organisationgrad zur Nutzung des Vorverkaufs verfügen und kurzfristig Interessierte dem Spiel fernbleiben müssen. Die geschlossenen Gästekassen führen eher zu einem Ausweichverhalten von gut vernetzten Gästefans in die Heimbereiche. Entsprechende Aufrufe sind in den sozialen Netzwerken zu finden und werden ihre Wirkung nicht verfehlen. Im Ergebnis werden etliche Gästefans in den Heimbereichen anzutreffen sein, obwohl auch auf der Gästetribüne ausreichend Platz für sie vorhanden wäre. Darin sehen wir keinen vernünftigen Beitrag zur Fantrennung der Duisburger Polizei.

Es entsteht der Eindruck, dass die Sicherheitsbehörden in Zusammenarbeit mit dem MSV Duisburg der Anhängerschaft des 1. FC Magdeburg eine Vorverurteilung aussprechen. Dies dient nicht nur der Legitimation fanunfreundlicher Behandlung durch Sicherheitskräfte und Polizei, sondern einer abermaligen Diskursverschiebung zu Gunsten der Sichtweisen der exekutiven Kräfte. Der Fanbrief der Polizei Duisburg unterstreicht diese Wahrnehmung. Wie beinahe immer werden Stillmittel der Fankultur mit Gewalt und menschenverachtenden Einstellungen wie Rassismus in Verbindung gebracht.

Da der 1. FC Magdeburg es versäumte einen Vereins- und Interessenvertreter zur maßgeblichen Sicherheitskonferenz dieses sportlich brisanten Freitagabendspiels zu entsenden, kann das Ergebnis leider nicht nur den Sicherheitsbehörden und dem MSV Duisburg zugeschrieben werden. Gerade deshalb erscheint es nun mindestens unglücklich, dass man sich seitens des 1. FCM nicht nachhaltiger für zumindest die anfangs angedachten 3.000 Gästekarten einsetzte. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn die Interessen der Fans seitens des 1. FC Magdeburg besser vertreten worden wären.

Als Fanhilfe Magdeburg e.V. haben wir dementsprechend große Bedenken was den Polizeieinsatz am kommenden Freitag betrifft. Aus diesem Grund wird die Fanhilfe erstmalig zu einem Fußballspiel durch zwei Rechtsanwälte begleitet, die nicht nur die Situation vor Ort aufmerksam beobachten werden, sondern im Notfall auch über unser Spieltagtelefon erste Tipps zum richtigen Verhalten geben können.

Magdeburg, der 23. Februar 2017
Fanhilfe Magdeburg e.V.

Auswertung Heimspiel gegen Fortuna Köln

Neue Saison, neues Glück heißt es so schön. Und Neuigkeiten erwarteten den geneigten Clubfan zur Heimpremiere am letzten Sonntag so einige. Das alle davon und damit auch glücklich waren, kann man mit Stand nach dem ersten Heimspiel verneinen.

Normalerweise gehören die Themen „Stadionkomfort“ und „Stadionerlebnis“ nicht zu den wichtigsten Arbeitsfeldern der Fanhilfe. Da sich aber bereits vor dem Spiel gegen Fortuna Köln bei uns am Fanhilfe-Stand die Anfragen mehrten, ob denn die neuen Regelungen und Erneuerungen rund um die Heimspiele des 1. FC Magdeburg nicht auch ein Thema für die Fanhilfe wären und da im Austausch mit den verschiedenen Fanorganisationen nach dem Spiel eine Vielzahl von Problemen und Beschwerden an uns bzw. untereinander herangetragen wurden, möchten wir an dieser Stelle das Spiel kurz auswerten und dabei insbesondere auf die im Vorfeld von Vereinsseite auch angekündigten Änderungen eingehen. In der Hoffnung und festen Erwartung, dass man von Vereinsseite aus gewillt ist aus den Fehlern des ersten Spiels zu lernen und Verbesserungen anzustreben.

Thema neues Bezahlsystem
Wir möchten an dieser Stelle das Thema Bezahlsystem nicht grundsätzlich hinterfragen, die Pros und Contras hierzu sind an anderen Stellen schon hinlänglich ausgetauscht wurden und halten sich die Waage. Es ist auch nachvollziehbar, dass Mitarbeiter und wartende Fans sich auf dieses System einstellen müssen und es deshalb beim ersten Versuch zu Verzögerungen kommen kann. Viele Fans haben uns aber darauf hingewiesen, dass die Buchung und die zugehörige Abrechnung einzelner Beträge von der Karte nicht nachvollzogen werden kann. Hier empfehlen wir dem Verein bzw. dessen Stadionversorger das zusätzliche Aufstellen von Lesegeräten, auf denen die Karteninhaber ihr Guthaben vor dem Kauf ablesen können. Eine Ausgabe von Kassenzetteln, auf denen die einzelnen Abbuchungen nachvollzogen werden können, wäre ebenfalls denkbar.

Thema Blocktrennung
Seit dem ersten Heimspiel ist unser HKS bekanntlich in drei verschiedene Heimsektoren unterteilt, welche untereinander nicht mehr betreten werden können. Einen maßgeblichen Anteil an der Begründung für diese Maßnahme hatte das Thema Statik und das Argument der Vereinsführung, dass eine Vielzahl von Personen mit Karten für andere Blöcke die Nordtribüne aufsuchen und so zusätzlich belasten würden. Unser Eindruck während des ersten Spiels mit Sektorentrennung war allerdings der, dass es keine merkliche Änderung hinsichtlich der Besucher in den einzelnen Bereichen der Nordtribünen gegeben hat. Soll hier die Ansicht verschiedener Kritiker, die hinter dieser Maßnahmen andere Gründe vermuten und das Thema Statik als vorgeschoben empfinden, nicht weitere Nahrung erhalten erwarten wir von der Vereinsführung, dass das Thema Statik offensiv behandelt und die Ergebnisse der eigenen Maßnahmen ebenfalls offen und belegbar gegenüber den betroffenen Fans dargestellt werden!

Thema Taschenabgabe
Die wohl größten Probleme am ersten Spieltag gab es bezüglich der Mitnahme von Taschen in das HKS. Bereits im Vorfeld hatte der Verein über seinen Sprecher Norman Seidler kommunizieren lassen, dass man keine konkreten Angaben dazu machen können, ab wann eine Tasche als zu groß gelten würde. Dies führte vor dem Spiel zu uneinheitlichem Handeln des Ordnungspersonals. Taschen, die Ordnern an einem Eingang als zu groß erschienen, konnten an anderen Eingängen mit in das Stadion eingebracht werden und umgekehrt. Hier erwarten wir in Zukunft im Sinne der Fans eine Nachbesserung durch die Vereinsführung und des von ihr engagierten Ordnungsdienstes sowie konkrete und verlässliche Informationen, welche Taschengrößen zukünftig mit in das HKS gebracht werden können.

Angesichts dieser Punkte stellen wir fest, dass sich der bisherige Charakter des Stadionbesuchs beim 1. FCM mit den Neuerungen maßgeblich geändert hat und unter Bedingungen wie beim ersten Heimspiels leidet. Nachbesserungen sind im Sinne der großen Fanszene dringend notwendig und sollten unter Berücksichtigung der kritisierten Punkte angegangen werden.

Sollte es beim Spiel gegen Fortuna Köln weitere Probleme gegeben haben, die berichtens- und auswertungswert sind, so könnt ihr uns eine Schilderung mittels Mail an kontakt@fanhilfe-magdeburg.de mit dem Betreff „Stadionerlebnis“ gern zukommen lassen. Wir werden diese dann gesammelt an die zuständigen Stellen des Vereins weiterleiten in der Hoffnung, dass schon bei den nächsten Spielen Besserungen eintreten.

Fanhilfe Magdeburg e.V. am 02.08.2016

Auswertung Münster - der nächste Teil - Kleine Anfrage bei der Landesregierung Sachsen-Anhalt

Ja, wir müssen erneut über das Auswärtsspiel des 1. FC Magdeburg im April in Münster reden. Denn nachdem wir bereits kurz nach diesem Spiel den dortigen Polizeieinsatz sowie die allgemeine Informationspolitik von beteiligten Behörden, Vereinen sowie berichtenden Medien kritisierten, etwas später eine kleine Anfrage an die nordrhein-westfälische Landesregierung ebenfalls mehr kritisch als überraschend informativ werten mussten, liegt uns nun auch die Antwort der Landesregierung Sachsen-Anhalts zu einer ebenfalls durch uns initiierten Kleinen Anfrage bezüglich der Informationsübermittlung der sachsen-anhaltinischen Behörden an die Kollegen in Münster vor.

Münster - ihr erinnert euch vielleicht? Nach einem Pyroeinsatz der Heimfans bei einem vorangegangenen Heimspiel verbot der Heimverein allen Fans, auch den Gästen, das Mitbringen von Fahnen und Anbringen von Zaunfahnen. Gleichzeitig sorgte ein enormer Polizeieinsatz mit massiven Kontrollen der Gästefans bei Anreise sowie auf dem Gästeparkplatz dafür, dass viele Magdeburger Fußballfans von der Polizei eher genervt waren als sich geschützt zu fühlen. Zusätzlich sorgte hinterher ein mehr als fragwürdiger und leider von vielen Presseorganen unhinterfragt übernommener Polizeibericht dafür, dass man als reisender Fußballfan grundsätzlich eher weniger als mehr Vertrauen in polizeiliche Arbeit haben dürfte. Doch wie man es auch drehte und wendete, die Polizei sowie die beteiligten Vereine stützten ihre Aussagen auf vorliegende polizeiliche Erkenntnisse über den Einsatz von Pyrotechnik, der solcherlei Aktionen rechtfertigen würde (beispielhaft für viele sei an diesen Artikel der MZ erinnert: http://www.mz-web.de/sport/fussball/1-fc-magdeburg/-nicht-nachvollziehbar--fcm-kritisiert-fahnenverbot-in-muenster-23935188). Und an dieser Stelle kommt unsere kleine Anfrage ins Spiel. Denn tatsächlich wurde der Polizei in Münster mitgeteilt, dass Magdeburger Fußballfans gelegentlich (!) und anlassbezogen (!) Pyrotechnik zünden würden. Weiterhin sei nicht auszuschließen, dass gewaltbereite und gewaltsuchende Fans bei geschlossener Anreise die Eingänge überrennen würden.
Im Ergebnis reichen solch allgemeinen Informationen also aus, um aus dem gelegentlichen Einsatz von Pyrotechnik seitens der Clubfans einen massiven Einsatz dieser zu konstruieren und mehrere hundert Fußballfans massiv zu gängeln oder das Ansammeln von Fans auf dem Parkplatz als den möglichen Versuch eines Kassensturms zu interpretieren und diese im gleichen Atemzug allesamt als gewaltbereit bzw. gewaltsuchend zu stigmatisieren.
Auch wenn uns dieses Ergebnis letztlich nicht überrascht, lässt es erneut einen interessanten Einblick in die Psyche der Institution Polizei zu. Fußballfans werden hier zweifelsohne als Gegner gesehen. Für eine Entspannung des schwierigen Polizei-Fan-Verhältnisses sind solche Erkenntnisse auf jeden Fall nicht förderlich....

Die Antwort der Landesregierung Sachsen-Anhalt zum Download:
Kleine Anfrage - Übermittlung von Daten im Zusammenhang mit dem Dritt-Liga-Spiel SC Preußen Münster II

Wir danken ganz herzlich der Antragstellerin Eva von Angern.

Fanhilfe Magdeburg e.V. am 14.07.2016

Antwort der Landesregierung NRW stützt Einschätzung eines martialischen und überdimensionierten Polizeieinsatzes

Kleine Anfrage an die Regierung des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen bezüglich der Vorfälle rund um das Fußballspiel Preußen Münster - 1. FC Magdeburg

Nach den Vorfällen rund um das Spiel des 1. FC Magdeburg in Münster kündigte die Fanhilfe Magdeburg an, den Polizeieinsatz rund um diese Partie genauer auszuwerten umso einerseits polizeiliches Handeln Fußballfans inhaltlich näher zu bringen und gleichzeitig die Vielzahl an Fragen, die sich rund um den Einsatz in Münster ergaben, zu klären. Aus diesem Grund lancierte die Fanhilfe Magdeburg eine kleine Anfrage bei der Landesregierung des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, deren Innenministerium für die Polizeikräfte im Bundesland zuständig ist. An dieser Stelle ein ganz herzliches „Danke!“ an den fraktionslosen Abgeordneten Daniel Schwerd für die Unterstützung.

Auch wenn kleine Anfragen jeweils nur auf den Fakten beruhen, welche der Landesregierung zum Zeitpunkt der Anfrage vorliegen und nicht zwingend intensive Recherchen auslösen, so sind die Antworten der Landesregierung auf unsere konkrete Anfrage ernüchternd und werfen kein gutes Licht auf die verantwortlichen Stellen.

Zum einen konnte (oder wollte?) die Landesregierung nur zwei der fünf gestellten Fragen beantworten. Das insbesondere die Fragen zur Informationsbeschaffung zur Vorplanung von Fußballspielen und zum Thema Datenweitergabe und Datenschutz von betroffenen Fußballanhängern nicht beantwortet werden konnten lässt den wenig beruhigenden Schluss zu, dass die Polizei in NRW relativ autonom und ohne Rechtfertigungsdruck gegenüber dem zuständigen Ministerium arbeiten und auch massive repressive Maßnahmen gegen Bürger durchführen kann, deren Verhältnismäßigkeiten nur mit einigem Wohlwollen noch rechtsstaatliche Prinzipien erfüllen.

Zum anderen erhärten die beiden gegebenen Antworten unseren bereits in unserer ersten Stellungnahme formulierten Vorwurf, dass die Polizei Münster am Abend des 22. April 2016 sprichwörtlich mit Kanonen auf Spatzen schoss. Insgesamt sieben (!!) Gegenstände, die den Tatbestand der passiven Bewaffnung erfüllen sollen, konnten festgestellt werden. Dennoch erhielten mehr als drei Mal so viele Personen, genau genommen 22, bei solcherlei Kontrollen Platzverweise. Leider sind weitere Angaben in diesen Antworten, so zur Zahl aller kontrollierten Anhänger oder über die Gründe der Platzverweise von mindestens 15 (=22-7) der 22 Anhänger nicht enthalten, da mehr als fünf Fragen bei einer solchen Anfrage nicht gestellt werden können.

Auch wenn die Erkenntnisse, die die Fanhilfe Magdeburg aus den Antworten der Landesregierung NRW erlangen konnte, gering sind und weil die wenigen Antworten eher die Sichtweise der Magdeburger Fußballanhänger über einen unnötig martialischen und überdimensionierten Polizeieinsatz stützt, dessen Ausmaß nur über jegliche Realität widersprechende Pressemeldungen noch zu rechtfertigen schien, wird die Fanhilfe Magdeburg weiterhin alle ihr zur Verfügung stehenden Kontrollmittel ausnutzen um der Reputation ihrer Mitglieder sowie aller zu Unrecht kriminalisierten Magdeburger Fußballanhänger genüge zu leisten.

Fanhilfe Magdeburg e.V. am 08.06.2016

Kleine Anfrage - Übermittlung von Daten im Zusammenhang mit dem Dritt-Liga-Spiel SC Preußen Münster.pdf

Auswertung SC Preußen Münster – 1. FC Magdeburg
35. Spieltag der Saison 2015/ 16

„Ist das noch Fußball oder kann das weg?“, fragte am vergangenen Wochenende ein FCM-naher Blog zum Dynamo-Dresden-Spiel und erfuhr mit dem dazugehörigen Artikel so viel Aufmerksamkeit, dass man es gar bis zu einer Veröffentlichung beim mdr brachte. Diese natürlich rein rhetorisch gemeinte Frage könnten wir an dieser Stelle bezüglich des Spiels des 1. FCM in Münster gleich in doppelter, leicht abgewandelter Form erneut stellen, nämlich: „Ist das noch Polizeitaktik oder kann das weg?“ sowie „Ist das noch Pressearbeit oder kann das weg?“

Es gäbe am Rande einige Dinge, die es wert wären intensiver aufgearbeitet zu werden. Aber allein die Schlagzahl an Kuriositäten, Meldungen, Berichten, zweifelhaften Maßnahmen oder ebenso zweifelhaften Presseberichten, die die Magdeburger Fanszene spätestens seit dem Bekanntwerden eines kompletten Materialverbotes für das Münsterspiel am Donnerstagabend erreichten, verhindern eine lückenlose und umfassende Aufarbeitung aller Dinge. So müssen wir an dieser Stelle bezüglich der Auswertung die Relevanz von Ereignissen wichten und uns auf die dringlichsten Dinge konzentrieren. Wir werden deshalb an dieser Stelle nicht darüber debattieren, welchen Sinn ein Materialverbot haben soll und ob eine solche Maßnahme tatsächlich deeskalierend wirkt, also die Situation vor Ort entspannend beeinflusst. Wir werden ebenso wenig thematisieren können, warum unser 1. FCM zwar in löblicher Weise dieses Materialverbotes öffentlich kritisiert, jedoch nicht dazu in der Lage ist zur entscheidenden Sicherheitsberatung in Münster seinen Sicherheits- und/oder Fanbeauftragten zu entsenden. Wir werden noch nicht einmal darüber reden, mit welch eiskalter Logik lokale Sicherheitsbeauftragte, die örtliche Polizei und Magdeburger sogenannte szenekundige Beamte die Verantwortung für diese Entscheidung auf die jeweils Anderen schieben um so eine Eigenverantwortung von sich weisen zu können. Schuld sind nach dieser Logik stets eben diese Anderen, als intervenierender Verein oder Fan steht man solch Geschacher in der Regel machtlos gegenüber. Worüber aber zu reden sein wird, ist a) eine in weiten Teilen zumindest in Bezug auf die Gästefans schlichtweg gelogene Pressemittelung der Münsteraner Polizei und b) die abermals kritik- und anstandslose Übernahme dieser durch verschiedene Presseorgane. Dies jedoch nicht weil wir diese Pressemitteilung für wichtiger halten als die Geschehnisse vor Ort, sondern vielmehr weil die Darstellung dieser Geschehnisse einer Aufarbeitung bedarf, die verdeutlicht, wie sehr insbesondere die Polizei in Münster und mit ihr der gastgebende Verein ein strukturelles Problem im Umgang mit Fußballanhängern haben. Aus diesem Grund werden wir abschließend weiterhin kurz thematisieren, was aus unserer Sicht zu tun wäre, um solche Szenen zukünftig vermeiden zu helfen.

Da wir uns im Folgenden auf die Meldung der Polizei Münster zum Gastspiel des 1. FC Magdeburg beziehen, möchten wir diese an dieser Stelle im Originalwortlaut wiedergeben:

„Durch den polizeilichen Einsatz von Pfefferspray konnten am Freitagabend (22.04.) Durchbrüche von Anhägern beider Vereine unterbunden werden.

In der Mitte der ersten Halbzeit versuchten etwa 300, teilweise vermummte, Magdeburger die Einlasskontrollen durch einen Sturm zu umgehen. Gleichzeitig bedrängten Personen aus dem Gästeblock die Ordner, um den unkontrollierten Zustrom zu ermöglichen. Die Chaoten griffen die zur Unterstützung der Ordner eingesetzten Polizeibeamten an und bewarfen sie mit vollen Bierbechern.

Nach dem Spiel attackierten etwa 200 Sympathisanten von Preußen Münster Polizisten an der Absperrung zu den Gästeparkplätzen. Hier mussten die Beamten neben Pfefferspray auch Schlagstock und Diensthunde einsetzen, um ein unkontrolliertes Aufeinandertreffen der
Gruppierungen zu unterbinden.

"Nur durch das starke Polizeiaufgebot konnten Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern beider Vereine und ein Kassensturm unterbunden werden", erläuterte der Einsatzleiter Polizeidirektor Martin Mönnighoff. "Das notwendige Einschreiten der Beamten zeigt erneut, dass Unbelehrbare den Fußball immer wieder für ihre kriminellen Zwecke missbrauchen."

Vor dem Spiel versuchten vier Magdeburger einen Fan-Schal auf der Hammer Straße zu rauben. Polizisten nahmen die Täter fest. Einer von ihnen hatte eine Sturmhaube und einen Zahnschutz dabei.

Bei Fahrzeugkontrollen von anreisenden Magdeburgern fanden Polizisten Quarzhandschuhe, Sturmhauben und weitere Passivbewaffnung. Die Beamten nahmen diesen 21 Personen die Eintrittskarten ab, erteilten ihnen Platzverweise und schickten sie direkt auf die Heimreise.

Kurz vor Spielende brannten Münsteraner Ultras sechs Rauchtöpfe im Block ab. Zeitgleich zündeten Unbekannte in Stadionnähe Feuerwerksraketen.

Nach dem Spiel raubte ein Münsteraner einem Magdeburger einen Fan-Schal. Bei dem Gerangel stürzte der Geschädigte in seine Bierflasche, verletzte sich an der Hand und wurde durch Rettungskräfte in ein Krankenhaus gebracht.

Insgesamt fertigten die Einsatzkräfte 28 Anzeigen wegen Raub, Widerstand, Beleidigung, Bedrohung und sonstiger Verstöße.“


Eine solche Darstellung seitens der Polizei suggeriert dem nicht beteiligten Leser durch eine Vielzahl von Schlagworten (Vermummte, Kassensturm, Pfefferspray, Quarzhandschuhe, Schlagstockeinsatz, Chaoten und einige mehr) nicht nur, dass es vermutlich zu chaotischen Szenen am Rande des Spiels gekommen sein muss. Sie versucht zusätzlich das massive polizeiliche Vorgehen vor Ort zu legitimieren, was ihr dank unkritischer Übernahme und damit Weiterverbreitung dieser Meldung durch Presseorgane leider einmal mehr zu gelingen scheint. Jedoch ordnet die Polizei Münster ihr Verhalten nicht nur nicht in gegebene Kontexte ein. Sie verbreitet zumindest in Bezug auf die Gästefans, die durch die Polizei bereits im Vorfeld des Spiels eine Stigmatisierung als potentielle Gewalttäter erfahren durften, zudem auch Unwahrheiten.

Wahr ist: die Polizei stellte vor dem Spiel Personalien bei Gästefans fest und zog dabei vereinzelt (!) Gegenstände ein, die aus ihrer Sicht den Tatbestand der Passivbewaffnung erfüllen. Dies ist jedoch nicht dem zielgerichteten Eingreifen seitens der Polizei gedankt, sondern massiver und langwieriger Kontrolle einer Vielzahl von Fahrzeugen mit Gästefans auf den Autobahnrastplätzen rund um Münster, den Zufahrtstraßen zum Stadion sowie auf dem Gästeparkplatz selbst. An dieser Stelle darf schon die Frage nach der Verhältnismäßigkeit gestellt werden, insbesondere wenn bei diesen massiven Kontrollen zudem keine pyrotechnischen Artikel sichergestellt werden konnten, welche aus Sicht der Polizei diesen Einsatz erst notwendig werden ließen.

Wahr ist ebenfalls, dass vier Magdeburger Anhänger wegen einem angeblichen Raubversuch (ob dieser auch stattfand, wird durch die Justizbehörden festzustellen sein) während des Spiels in Gewahrsam genommen worden sind.

Wahr ist weiterhin, dass es vereinzelte Becherwürfe auf Polizisten im Gästeblock gegeben hat, als eine größere Gruppe Fans das Stadion betrat und die Polizei dabei in Vollausrüstung mitten durch die Gästeanhängerschaft zog.




Unwahr ist jedoch, dass 300 Gästefans versuchten den Einlass durch einen Sturm zu umgehen. Unwahr wäre es im Übrigen auch, wenn die Polizei anstelle von 300 Fans an dieser Stelle von 30 oder drei Fans sprechen würde. Eine solche Situation gab es schlichtweg zu keinem Zeitpunkt am Gästeeingang, der Einlass lief vielmehr zu jeder Zeit geordnet und gesittet ab. Dies werden mit Sicherheit auch die vor Ort eingesetzten Ordner bestätigen können oder die polizeilichen Videoaufnahmen, die aus verschiedenen Kameras durchgehend angefertigt wurden. Wahrheitsgemäß wiedergegeben hätte es vielmehr heißen müssen, dass eine größere Gruppe an Fans aufgrund der Vielzahl an polizeilichen Kontrollen auf dem Gästeparkplatz auf Betroffene dieser Maßnahmen wartete und deshalb erst mit Beendigung dieser - nach Anpfiff des Spiels - das Stadion betrat. Ebenso hätte man berichten können, dass sich eine Vielzahl an Fans, die sich bereits im Stadion befanden, mit den von Polizeimaßnahmen betroffenen Fans solidarisierte und den eigentlichen Gästeblock verließ, um im Zwischenraum zwischen Eingang und Gästeblock auf die vor dem Stadion stehenden Anhänger zu warten.

Die Zusammenhänge sind also zusammengefasst wie folgt: erst eine massive Polizeipräsenz kombiniert mit einer Vielzahl von Personenkontrollen führte überhaupt dazu, dass ein nicht unerheblicher Teil der Gästefans erst kurz vor oder gar nach dem Anpfiff den Weg in Richtung Gästeeingang bestreiten durften. Das solidarische Warten anderer Fans vor dem Eingang auf die von Maßnahmen betroffenen Fans reicht der Polizei aus, um einen Sturm des Einlasses zu vermuten. Obwohl dieser zu keinem Zeitpunkt stattfand, vermeldet die Polizei Münster diesen dennoch.

Das weitere Spielgeschehen lief daraufhin im Rahmen der noch gegebenen Möglichkeiten stimmungsvoll ab, wofür auch der im Gegensatz zum Polizeieinsatz zu jedem Zeitpunkt deeskalierende Einsatz der Vereinsordner des Gastgebers und auch des 1. FCM maßgeblich mitverantwortlich ist. Auch nach dem Spiel gab es seitens der Anhänger des 1. FCM keinerlei Versuche Auseinandersetzungen mit den Heimfans zu initiieren, sondern einen durchweg gesitteten und friedlichen Abmarsch von den Gästeparkplätzen. Ohne zu wissen, welche polizeilichen Maßnahmen im Bereich des Heimbereichs erfolgten, ist es deshalb wichtig festzuhalten, dass anders als in der Polizeimeldung suggeriert, es zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Konfrontationen zwischen Anhänger von Preußen Münster und des 1. FCM kam und aus diesem Grund auch kein Pfeffersprayeinsatz und dergleichen gegen Anhänger des 1. FCM notwendig war oder überhaupt stattgefunden hat!

Im Nachgang musste die Fanhilfe Magdeburg dann leider abermals zur Kenntnis nehmen, wie unreflektiert solche Darstellungen auch von eigentlich seriösen Medien teils wortwörtlich übernommen werden. Auch wir wissen, unter welchem Kosten- und Informationsdruck Medien heutzutage stehen und wie schnell man dazu verleitet werden kann, von vermeintlich seriösen Quellen Meldungen unhinterfragt zu übernehmen. Allein: auch diese Zwänge können keine Entschuldigung dafür sein, Mindeststandards journalistischer Arbeit nicht zu erfüllen. Grundsätze wie exakte Recherche, Prüfung des Wahrheitsgehaltes von Meldungen, insbesondere wenn man selbst keinen Journalisten vor Ort hatte, und der Sichtbarmachung unbestätigter Meldungen sichern die eigene Glaubwürdigkeit, die nunmehr einmal mehr Schaden genommen haben dürfte.




Die Fanhilfe Magdeburg vertritt nach Auswertung aller Ereignisse in Münster, aufgrund des eigenem Erlebten sowie durch die Einschätzungen von Fans anderer Vereine, die bereits in Münster gastierten, die Ansicht, dass die Polizei vor Ort über den notwendigen Rahmen zur Absicherung von Drittligafußball hinaus einen Kleinkrieg gegen Fußballfans führt - unabhängig davon, ob es sich um Heim- oder Gästefans handelt. Zu dieser Erkenntnis tragen eine ungenügende Informationskette im Vorfeld des Spiels, ein massives und aus Sicht der Fanhilfe Magdeburg keiner irgendwie gearteten Relation entsprechendes Polizeiaufgebot inklusiver massiver Kontrollen von Gästefans ebenso bei wie eine durchgehend fehlerhafte Darstellung der Ereignisse im Nachgang des Spiels, welche wir in der Vielzahl der Fehler als bewusste Desinformation der Öffentlichkeit werten.

Aus diesem Grunde empfehlen wir nicht nur den Verantwortlichen des 1. FC Magdeburg, sondern aller Gästeteams in Münster, sich zukünftig durch konsequente Teilnahme an Sicherheitsberatungen und Dokumentation dieser (!) und durch konsequentes Einsetzen für fanrelevante Dinge den eigenen Anhängern einen Weg zu einem normalen Fußballerlebnis zu ermöglichen. Fanvertretungen und Fanprojekte zukünftiger Gäste in Münster sollten ihre Rechte durch den Einsatz von Fananwälten sowie der Dokumentation und Veröffentlichung verfänglicher Situationen absichern. Presseorganen empfehlen wir die Prüfung von Polizeimeldungen im Fußballzusammenhang im Allgemeinen und im Fall der Polizei Münster im Speziellen. Dem SC Preußen Münster wünschen wir, dass sich der Druck seitens Polizei irgendwann in dem Maße legt, dass man offensichtliche Probleme im eigenen Anhang dann auch konstruktiv und nachhaltig und vor allem ohne Druck von außen angehen kann. Unter den gegebenen Umständen halten wir dies jedoch für nahezu unmöglich.

Fanhilfe Magdeburg e.V. am 24.04.2016

Auswertung 1. FC Magdeburg – SG Dynamo Dresden
34. Spieltag der Saison 2015/ 16

An dieser Stelle möchte die Fanhilfe Magdeburg die Geschehnisse rund um das Drittligaspiel 1. FCM gegen Dynamo Dresden aus ihrer Sicht wiedergeben. Die Bewertung der Geschehnisse beruht dabei aus der Sicht der Fans, sie ist also subjektiv und hat nicht den Vorsatz oder Aufgabe objektiv alle Geschehnisse zu bewerten. Sehr wohl möchten wir aber versuchen, verschiedene Verhaltensweisen zu reflektieren und in einen größeren Sinnzusammenhang zu setzen um Geschehnisse wie die am Spieltag besser einordnen zu können. Hierzu verlinken wir Hintergrundberichte, die das Gesagte besser verständlich machen sollen. Dies ist aus Sicht der Fanhilfe Magdeburg insbesondere deshalb notwendig, weil mit der Berichterstattung der verschiedenen Presse- und Medienorgane wie auch seitens der Polizei u.a. über ihren Twitter-Account eine Deutungshoheit über die Realität erzeugt und durch stete wechselseitige Weitergabe als wahr reproduziert wird, der Fans selten etwas entgegen zu stellen haben. Die Problematik der Deutungsmacht der Polizei wird in Zusammenhang mit verschiedenen Demonstrationen u.a. in diesem (http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-07/polizei-twitter-verstoss-gegen-recht) und diesem (http://www.fr-online.de/frankfurt/twitter-polizei-wegen-twitter-in-kritik,1472798,31184268.html) Artikel näher beleuchtet.

Für die Fanhilfe Magdeburg begann die Partie des 1. FC Magdeburg gegen Dynamo Dresden bereits rund eine Woche vor Spielanpfiff, als die Schwarz-Gelbe Hilfe Dresden e.V. uns darüber informierte, dass ein Teil der Dresdener Fans mit Betretungsverboten durch die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord belegt worden sind. Betretungsverbote werden vornehmlich dann gegen unliebsame Personen ausgesprochen, wenn diese nicht durch bspw. ein Stadionverbot sowieso vom Besuch eines Fußballspiels ausgeschlossen sind. Die Grundlagen dieser Betretungsverbote sind oftmals strittig, für Betroffene aber nur in einem meist mühsamen und kostenintensiven Verfahren vor dem Verwaltungsgericht zu klären. Welcher Personenkreis seitens der Polizei für solcherlei Maßnahmen vorgesehen ist, ist ebenso schwierig nachzuvollziehen. Es ist jedoch nicht vollends absurd anzunehmen, dass insbesondere solche Personen in Betracht kommen die in extra dafür eingerichteten Datenbanken gespeichert sind. Die Rechtmäßigkeit oder gar bloße Existenz solcher Datenbanken hatte auch die Fanhilfe Magdeburg zuletzt mehrfach thematisiert, eine gute Zusammenfassung dieser Thematik mit Erklärung wie schnell Fans in solcher Datei landen können und wie schwer es ist, ein Mal gespeichert auch wieder aus solchen Dateien gelöscht zu werden liefern u.a. dieser (https://netzpolitik.org/2016/mehr-daten-als-tore-polizei-sammelt-fleissig-aber-oft-unrechtmaessig/) und dieser (http://fcpoppe-blog.pageflow.io/geheime-datensammlungen-uber-fussball-fans#44382) Beitrag. Wie dort nachzulesen ist, verfügt bereits allein die Polizei Dresden über eine interne Datenbank mit weit über 700 gespeicherten Fans von Dynamo Dresden, die ohne Verurteilung vor einem Gericht oder ohne Stadionverbot dank dieser Datei weiterhin sanktioniert werden können.

Auf eine weitere Episode zum Thema Wahrheitsgehalt von Meldungen, deren Deutungshoheit und unreflektierter Weitergabe durch verschiedene Presseorgane, die vor den Ereignissen am Samstag auch den Kern dieser Mitteilung bilden sollte, wurden wir bereits am Freitag von einem Mitglied der organisierten Fanszene hingewiesen. Denn Ende letzter Woche gab die Magdeburger Polizei nicht nur bekannt, dass es aufgrund eines Fanmarsches vor dem Spiel zu Verkehrsstörungen in der Stadt kommen kann, sie nannte sogar Treffpunkt, Treffzeit und erwartete Fanzahl. Unter anderem die Volksstimme Magdeburg (http://www.volksstimme.de/lokal/magdeburg/fussball-magdeburger-stadion-bereit-fuer-fans) aber auch ein bekanntes Fanportal (http://www.faszination-fankurve.de/index.php?head=Fanmaersche-vor-Ostduell&folder=sites&site=news_detail&news_id=12538) griffen diese Meldung auf und setzten somit einen Prozess in Gang, der spätestens am Spieltag durch entsprechende Meldungen bei Radio SAW oder im MDR seine Krönung fand. Leider hielt es keine der genannten Quellen für nötig, die durch die Polizei gestreute Information auf Nachhaltigkeit hin zu überprüfen, sonst hätte auffallen können, dass keine der für die organisierte Magdeburger Fanszene bekannten Quellen (u.a. block-u.de bzw. fcmfans.de) einen solchen Marsch ankündigte. Und so passierte das, was man gemeinhin wohl als sich selbst erfüllende Prophezeiung bezeichnet: weil die PD Nord einen Fanmarsch vermutet, aus welchen Quellen diese Vermutung gerade in Bezug auf die konkreten Angaben auch immer gespeist wird, tritt diese Vermutung dank Unterstützung vieler Medien bei der Verbreitung dieser Meldung auch ein. Denn tatsächlich versammeln sich bis um 11:00 Uhr einige hundert Clubfans, vornehmlich aus der nicht organisierten Fanszene, die erst durch die verbreiteten Meldungen überhaupt von einem Marsch in Kenntnis gesetzt wurden, um dann unter Polizeibegleitung zum Stadion geführt zu werden.

Die Auswertung der weiteren Vorkommnisse rund um dieses Spiel möchten wir nur vorsichtig angehen. Zu viel liegt noch im Unklaren und zu wenig wissen wir gerade in Bezug auf die Einlasssituation bei den Anhängern der Gäste von diesen selbst. Während von Polizei und Presse jedoch vordergründig Fotos und Meldungen von vermeintlich randalierenden Dynamo-Fans weiterverbreitet werden, sind die Fotos von einem geschlossenen Tor und der dahinter drängelnden Masse sowie einem kaum mehr als 150 Zentimeter breiten Zugang zum Gästeblock eher selten zu finden.



Weiß man nun zusätzlich von einer deutlich verspäteten Ankunft des Sonderzuges der Gäste, so kann sich mit logischem Menschenverstand bereits vor dem Eintreten der Eskalation am Gästeeingang ausmalen, dass a) eine hohe Anzahl an Fans in sehr kurzem Zeitabstand an diesem engen Eingang stehen werden und b) diese wegen des zeitnahen Beginns des vermutlich wichtigsten Spiels der Saison auch schnellstmöglich in das Stadion gelangen wollen würden. Dass das Schließen des Tores vor den Nebenplätzen des Stadions zur Regulierung des Zugangs der Fans nicht eine kurzfristige Entscheidung, sondern Teil des Sicherheitskonzeptes war, erscheint dabei nicht nur den Fanhilfe-Mitgliedern als logisch, die am Vorabend des Dresden-Spiels am Rande der auf diesem Nebenplatz 1 ausgetragenen U19-Partie des 1. FCM beobachten konnten, wie Sicherheitsdienst und Polizei nahezu die gesamte erste Spielhälfte über Schließmechanismus und vorhandene Übersteigemöglichkeiten an diesem Tor inspizierten und testeten. Es erschließt uns als Fanhilfe Magdeburg daher nicht, warum ganz offensichtlich eine Verschiebung des Anpfiffs als Maßnahme zur Entschärfung der Einlasssituation nicht durchgeführt wurde? Sind die Sendezeiten der geldgebenden Sender und mit ihnen die Bequemlichkeit der Zuschauer an den TV-Geräten so viel wichtiger wie die Sicherheit der tatsächlich auch bei den Spielen anwesenden Fans? Es erscheint uns als zu eindimensionale Erklärung auch seitens der Vereinsverantwortlichen des 1. FC Magdeburg, die Schuld für die Eskalation am Gästeeingang ausschließlich auf das Verhalten der Gästefans zurückzuführen, zumal die Zahlen der in den verschiedenen von Polizei, Presse und auch Verein publizierten Meldungen nun garantiert nicht dafür sprechen, dass sich tatsächlich mehrere hundert Fans ohne Karte Zutritt zum Stadion verschaffen wollten. Jedenfalls entsprechen die angegebenen Zahlen von 800 - 1.200 Gästefans im Stadion und ca. 700 nicht ins Stadion gelassene Fans so ziemlich exakt der Zahl an verkauften Gästetickets und eben nicht deutlich mehr. Und schon gar nicht lassen sich hier die durch unseren 1. FCM kolportierten 300 Gästefans ohne Karte herausrechnen (http://1.fc-magdeburg.de/saison/aktuelles/1-fc-magdeburg-gegen-sg-dynamo-dresden/5911/). Dass sich unter den anreisenden Dynamo-Fans auch solche Personen befunden haben können, die trotz gültiger Eintrittskarte mit Betretungsverbot für den Gästebereich belegt waren und das diese sich auf diesem Wege Einlass verschaffen wollte, können wir nicht nur nicht ausschließen, wir gehen sogar davon aus. Die Art und Weise wie solche Verbote entstehen und wie wenige rechtliche Möglichkeiten Fans haben dagegen vorzugehen haben wir jedoch bereits beschrieben. Es erscheint uns gerade deshalb als fraglich, ob die mögliche Anwesenheit dieser Personen eine ideale Grundlage für die Lageeinschätzung der Polizei und die Maßnahme des 1. FC Magdeburg darstellen.

Die Bewertung der Ereignisse im Gästeblock möchte die Fanhilfe MD den Gästen überlassen, jedoch fiel es uns auf, dass die Maßnahmen im Umlauf des Stadions ganz offensichtlich nicht zu einer Beruhigung der Situation beigetragen haben, mithin also nicht deeskalierend wirkten. Dennoch ist es auch der Fanhilfe MD wichtig zu bemerken, dass unabhängig jedweder Umstände das Abfeuern von Leuchtstiften in eng besetzte Zuschauerränge niemals eine Option eines irgendwie gearteten legitimen Handelns sein kann und darf. Mit solchen Aktionen erschweren die Verursacher Einrichtungen wie den Fanhilfen die Aufarbeitung solcher Ereignisse auch aus Fansicht gegenüber Vereinen, Medien oder Sicherheitseinrichtungen nachvollziehbar zu machen!

Gleiches gilt ausdrücklich für die Angriffe auf den Gästeblock seitens Magdeburger Fans nach Spielende. Dennoch muss es auch an dieser Stelle erlaubt sein zu hinterfragen, wieso die Polizei mit wochenlang ausgeklügeltem Sicherheitskonzept und mehreren hundert Kräften im Einsatz ist, wenn sie sich dann bereits kurz nach Abpfiff von dem neuralgischen Punkt zwischen Fantribüne des 1. FCM und Gästeparkplatz zurückzieht und somit erst die Möglichkeit für einen Sturm seitens der Heimfans eröffnet? Es muss die Frage erlaubt sein, warum die Polizei als Reaktion darauf mit massivem Wasserwerfereinsatz und auch rigidem Vorgehen von sofort nachrückenden BFE-Einheiten unabhängig vom Verursacherprinzip auf alles und jeden eindrischt, was sich in diesem Bereich befindet? Und es muss an dieser Stelle auch hinterfragt werden, warum es nach dem Einsatz der BFE erst der Landespolizei durch kommunikatives Handeln wieder gelingt, die Situation vor dem Stadion zu beruhigen? Durch solche Maßnahmen sehen sich letztlich wieder diejenigen bestätigt, die annehmen, dass es zumindest bestimmten Polizeieinheiten gar nicht darum geht, einen eskalationsfreien Ablauf zu garantieren. Und das insbesondere Fußballfans ohne Lobby und auch aufgrund ihres oftmals selbstverursachten Verhaltens ein gerngesehenes Übungsobjekt gerade für Eliteeinheiten der Polizei sind. Dass also auch bei den Ereignissen am Samstag sich ausgerechnet BFE-Einheiten negativ in den Vordergrund spielten, scheint aus dieser Sicht kein Zufall und bestätigt in gewisser Weise auch eine Studie über das Verhalten von BFE-Einheiten, die in der letzten Woche von der „Grüne Jugend Göttingen“ vorgestellt wurde (http://gj-goettingen.de/wp-content/uploads/2016/04/BFE_Broschu%CC%88re_10.04.16_o.pdf)




Was bleibt ist ein Derby, in der die Zahl der Verlierer die Zahl der Gewinner deutlich übersteigt. Statt der Berichte über ein wahrlich begeisterndes Spiel oder über eine stimmungsvolle Kulisse, dominieren die Negativ-Schlagzeilen seitdem die Presselandschaft. Neben verschiedenen Fangruppierungen, die zweifelsfrei und maßgeblich (!) ihre Aktie an den Geschehnissen rund um das Heinz-Krügel-Stadion haben, sollten sich jedoch auch weitere Akteure hinsichtlich ihres Handelns hinterfragen. Hierzu gehört der 1. FC Magdeburg, der offensichtlich nicht in der Lage oder Willens war auf eine Verspätung des Dresdener Sonderzuges entsprechend zu reagieren und somit abermals seine Führungsschwäche bezüglich fanrelevanten Themen untermauerte. Hierzu gilt der übertragende Sender, dem die Sendezeit offensichtlich wichtiger als die Sicherheit der Fans vor Ort am Stadion war. Hier sind alle in dieser Bewertung genannten Medien zu nennen welche unreflektiert und teilweise unkorrekt wertend Meldungen verbreiteten. Und hierzu zählt die Polizei, die bereits bei der Kommunikation im Vorfeld des Spiels einen dicken Bock schoss und deren Sicherheitskonzept weder vor, noch während noch nach dem Spiel Eskalationen verhinderte, sondern sie vielmehr zu fördern schien.

Fanhilfe Magdeburg e.V. am 18.04.2016

Geheime Datensammlung über Fußballfans auch in Sachsen-Anhalt entdeckt

Die bekannte und bundesweit geführte Datei „Gewalttäter Sport“ ist nur die Spitze des Eisberges. Bereits 2015 kam an die Öffentlichkeit, dass die Datensammelwut auf Länderebene eine neue Dimension erreicht hat. So hat die Polizei in mittlerweile mehr als der Hälfte aller Bundesländer systematisch viel weitergehende Datensammlungen angelegt und darüber hinaus dessen Existenz verschleiert. Zwei so genannte „Arbeitsdateien für szenekundigen Beamten“ hat nun auch das Land Sachsen-Anhalt zugegeben.

Bereits über 20 Jahre ist es her, da wurde die Datei „Gewalttäter Sport“ eingerichtet. In der Errichtungsanordnung heißt es zum Zweck der Datei u. a.: „Die Datei dient der Verhinderung gewalttätiger Auseinandersetzungen und sonstiger Straftaten im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen, insbesondere von Fußballspielen, durch recherchefähige Erfassung […], soweit diese im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen festgestellt wurden.“ Weiterhin heißt es in dem Dokument: „Die Datei ermöglicht das Gewinnen von Anhaltspunkten für das sachgerechte und wirksame Treffen von Eingriffsmaßnahmen und liefert der Polizei Erkenntnisse für organisatorische und taktische Maßnahmen.“

Zu einer Datenspeicherung bedarf es nicht viel, oftmals reicht schon eine bloße Identitätsfeststellung. Ein Eintrag in der Datei bringt oft erhebliche Einschränkungen im täglichen Leben, z. B. bei Urlaubsreisen, für die Betroffenen mit sich. Der Betroffene selbst erfährt nicht, dass seine Daten gespeichert wurden und eine Löschung der Datei ist äußerst schwierig. Weiterführende Informationen zur Datei Gewalttäter Sport sind unter anderen unter auf http://www.profans.de/gewalttater-sport oder auf den Homepages anderer Fanhilfen zu finden.

Nun könnte man annehmen, dass diese bundesweit vom BKA geführte Datei ausreichend ist, um die Erkenntnisse der so genannten „szenekundigen Beamten“ zu führen. Dem ist offenbar nicht so bzw. bietet die GWS-Datei offenbar nicht ausreichend Möglichkeiten all das zu „archivieren“, was der Freund und Helfer gern gespeichert wissen möchte. Und so führen viele Bundesländer parallel weitere Dateien – und das zumeist geheim. Und offenbar sind in diesen Dateien mittlerweile deutlich mehr Personen gespeichert als in der bundesweit geführten Datei.

Mittlerweile mussten die Länder Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Berlin, Schleswig-Holstein, Hamburg und zuletzt auch Mecklenburg Vorpommern nicht ganz freiwillig die Existenz (teilweise auch im Unwissen des Landesdatenschutzbeauftragten!) einer solchen Datei zugeben. Sachsen hingegen führt seine Geheimdatei seit 2014 nicht mehr. Nicht ganz unerwartet gesellt sich nun auch das Land Sachsen-Anhalt dazu.

Datei „Erkenntnisgewinnung für szenekundige Beamte“

Aufgrund der Erkenntnisse in den anderen Bundesländern initiierte die Fanhilfe Magdeburg Anfang 2016 eine kleine Anfrage bei der Landesregierung. Auf offene Ohren stießen wir dabei auf Dennis Jannack, Mitglied im Stadtrat und der Fanhilfe Magdeburg sowie Uwe Loos, Landtagsabgeordneter und Sprecher für Sportpolitik von „DIE LINKE“. Wir wollten von der Landesregierung in dem Zusammenhang wissen, ob die Landesregierung Kenntnis von einer solchen Datei auch in Sachsen-Anhalt hat. Weiterhin hinterfragten wir in einer weiteren kleinen Anfrage den Einsatz von V-Leuten in Fußballszene in Sachsen-Anhalt.

Unsere Anfrage bzgl. der SKB-Dateien vom 25. Januar 2016 beantwortete das Ministerium für Inneres und Sport am 4. März 2016 u. a. wie folgt: „Die Polizei Sachsen-Anhalt führt derzeit keine weiteren (sog. SKB-) Dateien. Um eine sachgerechte Information zu gewährleisten, wird im Nachfolgenden auch auf aktuell nicht mehr geführte Dateien im Sinne der Kleinen Anfrage eingegangen. Im Jahr 2006 hatte das Land Sachsen-Anhalt die Datei „Erkenntnisgewinnung für Szenekundige Beamte“ (EfSKB) eingerichtet, da die Verbunddatei „Gewalttäter Sport“ aufgrund eingeschränkter Recherchemöglichkeiten insbesondere für die Erstellung von Gefahrenprognosen im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen nicht ausreichend war. Es handelte sich um ein automatisiertes Abrufverfahren, welches nach § 13a des Gesetzes über die öffentliche Sicherheit und Ordnung des Landes Sachsen-Anhalt in Verbindung mit § 7 Abs. 3 Datenschutzgesetz Sachsen-Anhalt der Unterrichtung des Landesbeauftragten für den Datenschutz Sachsen-Anhalt unterlag. Die Datei wird seit März 2015 nicht mehr geführt.“

Weiterhin heißt es in dem Dokument: „Durch die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd wurde im Polizeirevier Halle auf der Grundlage eines vom behördlichen Datenschutzbeauftragten am 9. Juli 2015 unterzeichneten Verfahrensverzeichnisses eine Datei „Gewalttäter Sport mit Bezug zum Halleschen FC“ geführt. Seit dem 22. Februar 2016 wird diese Datei nicht mehr geführt.“

Halten wir also fest:

- das Land Sachsen-Anhalt führte ca. neun Jahre, konkret von 2006 bis 2015, eine Datei mit dem Namen „Erkenntnisgewinnung für Szenekundige Beamte“ (EfSKB)
- die erst am 9. Juli 2015 eingeführte Datei „Gewalttäter Sport mit Bezug zum Halleschen FC“ wird ca. vier Wochen nach Einreichung unserer Anfrage eingestellt

Fanhilfemitglied und Stadtrat Dennis Jannack dazu: „Zum Glück wurden die geheimen Datensammlungen über Fußballfans beendet. Welche sensiblen Daten gesammelt wurden, ist damit jedoch nicht mehr nachvollziehbar. Sieht man sich Antworten auf ähnliche Anfragen in anderen Bundesländern an, dürfte da einiges an Daten zusammengekommen sein. Es ist ein Skandal, dass Menschen, die strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten sind, geheime Dateien mit ihren persönlichen Daten füllen.“

Einsatz von verdeckten Ermittlern (V-Leute) beim Fußball

Nebulös fällt hingegen die Antwort zum Einsatz von V-Leuten in der Fanszene aus. Exemplarisch sei an dieser Stelle folgender Absatz zitiert: „Unterstellt man, dass Informanten in Anspruch genommen bzw. Vertrauenspersonenoder Verdeckte Ermittler in den Fußball-Fanszenen des Landes für die Polizei oder die Verfassungsschutzbehörde des Landes Sachsen-Anhalt eingesetzt waren - ob dies tatsächlich der Fall war, bleibt hier ausdrücklich offen -, dann könnten durchaus im Wege eines Ausschlussverfahrens Rückschlüsse auf die Identität der betreffenden Personen gezogen werden. Dies könnte zu Rachetaten gegenüber diesen Personen und ihrer Angehörigen führen, die geeignet wären, deren Leib, Leben und Freiheit langfristig zu gefährden.“

Sehr viele Rückschlüsse lassen sich aus dieser Antwort nicht schließen. Liest man zwischen den Zeilen, bietet diese Aussage jedoch jede Menge Raum für Spekulation. Fakt ist, dass die Landesregierung hätte klarstellen können: „Wir haben keine V-Leute im Einsatz!“, was sie explizit jedoch nicht getan hat. Ob dies bewusst oder unbewusst geschah, lassen wir an dieser Stelle unkommentiert.

Was wir jedoch nicht unkommentiert lassen, ist der Umstand, dass über Jahre geheim und systematisch Daten über Fußballfans gesammelt wurden. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung sieht vor, dass grundsätzlich jeder selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner personenbezogenen Daten bestimmen darf. In der Theorie wäre das vermutlich auch in Sachsen-Anhalt möglich gewesen. Wie sich das in der Praxis bei geheim geführten Dateien darstellt, kann sich jeder selbst beantworten. Fußballfans durch geheimdienstliche Methoden zu kriminalisieren schafft kein Vertrauen, vielmehr wird das ohnehin schon zerrüttete Verhältnis zwischen Fußballfans und staatlichen Organen sowohl durch geheime Datensammlungen, als auch durch den möglichen Einsatz von V-Leuten weiter nachhaltig gestört.

Geheimdateien über Fußballfans I

Geheimdateien über Fußballfans II

V-Leute in der Fußballszene I

V-Leute in der Fußballszene II